`97 Ende ~ Berlin tschüssi!

Ein Todesfall in meiner Familie fordert seinen Tribut. Ich muss die Herausforderung APERTO leider beenden.

Ein halbes Jahr bleibe ich noch in Berlin und arbeite als freier Art Director für Klavierhaus Bechstein, das seinen Börsengang vorbereitet, und die Tageslicht studios an verschiedenen CD-ROM- und Web-Projekten.

Damals machte man noch viel CD-ROMS, da das Internet mit seinen Bandbreiten noch nicht einmal ahnen ließ, was alles in ihm steckte. Ich spezialisierte mich immer mehr in AFTER Effects und Cinema4D neben den normalen Adobe Handwerkzeugen und natürlich war ich bei der 1. FLASH-Version Feuer und Flamme, die den Rand der CD verließ und Bewegung ins Netz brachte.

Berlin war groß und wild. Ich fühlte mich zwar ganz wohl, blieb aber immer der blöde Wessi, der sich über kurzgeschorene Haarträger und Sportzigaretten an jeder Ecke im Osten wunderte. Mit Kollegen und Freundin besuchte ich jede noch so entlegene illegale Bar, die gerade irgendwo aufgemacht hatte und litt unter easy listening und hohen Taxirechnungen. Außerdem war ich im ersten Jahr fast 90% der Wochenenden nach Lüneburg gependelt…

`96 Anfang – ´97 ~ aperto Berlin ruft Freitagabend um 21:00 Uhr an

Scholz & Friends Berlin
1. Festangestellter beim Aufbau der Multimedia-Unit Aperto


Einen Monat nach Präsentation meiner CD-ROM an der HTK verlasse ich Lüneburg in Richtung Berlin. In Hamburg hätte ich auch an verschiedenen Stellen unterkommen können, aber ich schlug ein bei Dirk Buddensiek, der mich an einem Freitagabend gegen 21:00 Uhr in meiner WG ans Telefon bekam und nach Berlin einlud. Und der mir nach erfolgreichem Bewerbungsgespräch und Umzug und anderen Katastrophen erst an meinem 1. Arbeitstag verriet, dass ich der erste Festangestellte war :-) Und dann auch für ein Jahr bleiben sollte.

Schon bald durfte ich meine studentische Arbeit den Verantwortlichen von Nike US, Europe und Reebok präsentieren. Kunden wie der FAZ, dem Freistaat Sachsen und Siemens Hausgeräte ließen wir die Vorzüge der Neue Medien angedeihen. Wohlgemerkt zu Zeiten als ISDN gerade erfunden war und in der Bergstraße in Mitte auch gerne mal eine Woche lang ausfiel, nachdem die Strassenbahn mit ihren Vibrationen irgendwelche Stecker gelöst hatte. So vermuteten wir jedenfalls nicht nur einmal und schickten dann ausgedruckte Websites per Fahrradboten durch die Stadt.
Eine wilde Zeit im Prenzlauer Berg, in den es mich verschlagen hatte, als dort noch an vielen Fassaden Einschusslöcher zu sehen waren und mir niemand einen Bildband verkaufen konnte, auf dem der alte Lauf der Mauer illustriert war. Deren Reste musste ich beim Joggen selbst entdecken.

`93 – `96 ~ Hamburg Pendeln mit Mexico-Käfer oder Bahn

Hamburger Technische Kunstschule / Graphik– und Kommunikationsdesign.
Abschlussarbeit mit Auszeichnung: “Eine Multimedia Kampagne für Nike“

BWL-Scheine waren irgendwie was seltsames – ein paar davon habe ich sogar noch. Ich fing in einer kleinen Lüneburger Agentur an einen POS in Macromedia Director Lingo zu programmieren und machte Plakate für die Szene-Diskothek „Contra“. Dadurch wurde ich auch für Graphikdesign entdeckt und bewarb mich in Hamburg an der HTK mit einer Mappe.


Seit dem ZX-Sinclair hatte ich an Rechnern rumgebastelt und mir gerade auch für unendlich viel Geld einen Flachbettscanner gegönnt auf dem meine Katze gerne einschlief. Computer & Kunst kamen zusammen. Ich finanzierte mich mit der Erstellung von Low-Budget-Plakaten, Flyern, Veranstaltungskalender und half bei der Konzeption von Veranstaltungen & Konzerten.
Nebenbei managte ich
 „The Pathologic Neighbourhood“- eine Band von Freunden und fuhr Taxi und einen gelben Mexico-Käfer. Haare sehr lang, Lederhose – und Grunge sollte kommen…


`91 – `93 ~ UNI-Mensa panierte Löcher am Freitag

Studium der Wirtschafts– und Sozialwissenschaften an der Universität Lüneburg

Die Lüneburger Uni war gerade aus der Fachhochschule entstanden und Sozialökonomie klang eigentlich ganz reizvoll und passend.

Aus familiären Gründen blieb ich in meiner Heimatstadt und widmete mich der doppelten Buchführung, ausgeglichenen Konten, Mathe I & II, Statistik I & II und Wipo, wo Professoren Seite für Seite aus ihren Büchern vorlasen, deren lieblose Diagramme mit Geodreieck und Schreibmaschinentext produziert waren! In der Mensa wurde man nicht vergiftet, aber auf einmal war die Schlange sehr sehr lang, als der gelockerte NC halb Hamburg in die Salzstadt lockte. Freitags gab es Calamari und dazu ein Kilo Knoblauchsoße.

Grunge kam auf einmal in die Welt und ich fuhr Taxi, arbeitete für eine Disco und wohnte mit 2 Musikern zusammen, die zusammen so knapp an die 40 Saiteninstrumente im Haushalt aufbewahrten. Mein erstes Modem wählte meinen 486er in das Rechenzentrum der Uni ein und sorgte für wenig Anrufe und hohe Rechnungen… ;-)

`89 – Abistreich und was dann?

Abitur an der Wilhelm-Raabe-Schule Lüneburg.

Irgendwann war es zu Ende. Die Schule spuckte uns aus, und ich hatte mit DEUTSCH- und BIO-LK eigentlich Pläne in Richtung Journalismus im Kopf.
Doch erstmal zum Zivildienst, den ich glücklicherweise nach 6 Monaten vorzeitig beenden darf.

Die 80er hinterlassen tiefe Spuren an Haut, Haaren und Weltbild. Die Kleinstadt wird immer kleiner, aber noch ist es auszuhalten. Meine Verweigerung schreibe ich schon mit 17 und kann sie ein Jahr später erst abgeben. Eine Stelle im Fahrdienst beim Zivildienst bringt die nötige finanzielle Grundlage für den Auszug zu Hause in die erste kleine Wohnung. Die Haare werden länger – der Atari STFM wird von einem ersten 386er abgelöst. Man zieht mit Freundin zusammen – vielleicht zu früh…

own photograph by AndreasPraefcke, uploaded Lüneburg_Wilhelm-Raabe-Schule_vom_Wasserturm.jpg|here, altered by Saibo

´69 – 11. Mai

Geburt als André Schuster in Lüneburg

Besuch der Grundschule VI am Kreideberg. Hobbys wie Fußball, Judo, Tennis, Volleyball und Kino begleiteten mein Aufwachsen.

Krieg der Sterne ist nach allen Bud Spencer und Bondfilmen so was wie ein Erweckungserlebnis und als neben der Carrera-Autobahn erst ein ZX-Sinclair und später ein C64er auftaucht ist meine Leidenschaft für das elektronische Bilderzeugen geweckt.
Ich programmiere, zeichne, male und schreibe gerne Geschichten. In der Computer-AG an der Raabe-Schule komme ich mit einem Buch über 3D-Programmierung in Kontakt und zum ersten Mal macht mir Mathe Spass und Sinn, denn daraus entstehen die Drahtgittermodelle, die heute noch unter allen Figuren im Kino stecken…


Von Flor!anEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link