
tolles foto von nutbird aus fickr unter cc license
PROLOG: Irgendwann mach ich auch in so ´ner alten Tankstelle eine DesignSreparaturwerkstatt auf. Die Leute können dann mit dem Auto bis vor mein Büro fahren, geben mir ihre URL und das PWD und sagen, was sie für ein Problem haben und wieviel sie ausgeben wollen. Ich schreibe mir dann so ein paar Sachen auf ´nen Blogg, schnack möglichst einsilbig über das Wetter “…shietwedda…” und den Tatort “SCHARLOODDE gestern war wieda mal Humfug…”, murmel dann noch was vor mich her, erkläre dass ich sie später anruf und geh dann erst mal in die Werkstatt und check die Site. Dann chatte ich stundenlang, drücke hundertmal auf stumbleupon, hol ein altes Pitchdesign aus meinem Archiv, kleb´ das Logo vom Kunden druf “… hat meine Tochter im Kunstunterricht gemacht…” und ruf gegen 16:43 bei denen an… ” xxxx,- Euronen … kannste abholen heute abend… für xxx,- Euronen kriegste noch n viral und twitterfacebook mashup oben druf…”
Nebenbei mach ich ein paar Logos, schreibe ein paar Konzepte als Ghostwriter und verkaufe exklusiv Biohonig von meinem alten Mathelehrer aus der Heide. Wenn mal einer schnell ein 3d Modell braucht – kann er mich immer anrufen… die alten Kontakte halt und immer quick n dirty.
Abends mach ich die Werkstatt zu, trinke an der Eckkneipe ein Designerbier, geh dann Joggen und am Wochenende Angeln ohne Köder. Für meine Kinder designe ich Tapeten, Fußballtrikots und Schneemänner. Einmal im Jahr gewinne ich den ersten Preis beim Eisskulpturenkettensägenwettbewerb in Dänemark… natürlich nackt.
Abends dürfen bei mir hinten in der Werkstatt Bands umsonst proben. Ich helfe denen auch bei der Promotion oder organisiere einen guten Fotografen und Friseur. Ratschläge gibts gratis “… hört Euch mal ne alte Pearl Jam an…” oder da wird auch mal gratis ein Bus ausgeliehen für ne kleine Tournee ins Wendland “… wenn sie in Platenlasse tanzen, wißt ihr, dass ihr gut seit…”. Oh halt – ich habe ja gar keine Bus nur ´nen alten Volvo mit Apple-Aufkleber, nachgerüstetem Hybridmotor und Solarzellen auf dem Dach.
Natürlich trage ich den ganzen Tag einen schwarzen Rolli und ein altes Cordsakko. Mein Brillengestell wird an einer Seite von Leukoplast zusammengehalten und wegen der Kunden habe ich vorne am Tresen auch MAC Hardware stehen und überall Apple-Aufkleber. Das ist aber nur damit die Doofies auch auch auf den Hof fahren. Meine Designs mache ich auf ´nem uralten, dicken DELL und verklopp´ nebenbei noch vom Praktikanten, den ich liebevoll ausbeute und jeden Morgen aufs neue versuche aufzulockern “…. Moin Digga! Was geht steil in der Schanze?” “… Schanze? Man Alder, wo lebst Du denn?….” zusammengeschraubte Media-Center-PCs… eine Satzkatastrophe mittendrin kann man sich erlauben.
Für Filmarbeiten stelle ich die rustikalen Räume regelmäßig zur Verfügung, was mir auch schon eine permanente Nebenrolle in einer Indiependent Krimiserie eingebracht hat. Man sieht mich einmal im Monat als Profiler Arkmann neben Kommissar Rexgold durchs Bild laufen. Ich sage dann am Tatort neben der Leiche Sachen wie: “… nach seinen Blogeinträgen zu urteilen, war das Opfer exterm schwachsinnig…” oder “…. sein Avatar läßt Rückschlüsse auf eine graduelle Farbenblindheit und eine Rechts-Links Schwäche ziehen….” und flirte regelmäßig mit der jungen Assistentin des Ermittlers… “… so hübsch und immer noch nicht bei der Modepolizei…?”
Einmal im Jahr gibt es dann bei mir “Usabilty-Check-Wochen”. Volles Programm – echtes Hardcore! Für nur xxx,- Euronen einmal der komplette Website-Check ohne Blatt vor dem Mund: “… Grauenhaft! … Unbedienbar… Werberwixe! Bitte hier klicken! NEIN! NEIN! NEIN! “… Da kotzen die CEO´s, macht der ITler Harakiri und gebeutelte Designer scheren sich eine Glatze, aber die Warteliste ist auf 5 Jahre voll. Ich beschäftige 2 Anwälte in Vollzeit zum Korrekturlesen meiner “Powerpoints of Death” vor denen die Branche zittert und mit denen ich die Börsenkurse der verbleibenden Bluechips beeinflusse. Programmierer hassen mich, User bestellen mein gebrauchtes Feinripp, dass ich in einem japanischen Online-Auktionhaus versteiger. Dort gibt es auch eine Puppe nach meinem Abbild – plus Praktikant. Abends giesse ich mir öfters heisses Wasser über meine Bauchflusen und häkel daraus Schutzhüllen für IPODS. Gehen weg wie warme Semmeln und zahlen den Strom!
Einmal im Monat organisiere ich ehrenamtlich eine anonyme Designerselbsthilfegruppe an einem geheimen Ort. Zum Aufwärmen und Warmwerden darf jedes neues Mitglied einen Lieblingsansprechpartner bei seinem Lieblingskunden, dessen Privatadresse und Autokennzeichen nennen. Es werden dann bei Bedarf nächtliche Exkursionen mit der Gruppe organisiert. Wer noch keinen eigenen Baseballschläger hat, darf sich einen leihen… Am Ende des Jahres gibt es eine öffentliche Verbrennung von Photoshopebenen, ein Kundenlogozertrümmern im angrenzenden Schießstand des Panzerbatallions Fuchsblut und bei rechtzeitiger Anmeldung ein Freistellwettbewerb mit Lasso und ohne… (Hinter diesem öffentlichen Zufluchtsort für ausgebrannte Designerleichen verbirgt sich allerdings dann noch eine ultraunorthodoxe, seit Jahrzehnten existierende Geheimorganisation, die es sich zum Ziel gesetzt, hat die Gesellschaft von schlechtem Design und unbedienbaren Interfaces zu befreien. Dazu woanders mehr… ) Für das Frühjahr wird auch noch ein Kurs “Voodoo am Telefon” konzipiert. Gastdozent Bula Oblegi aus Haiti ist zur Zeit leider nicht erreichbar.
Wir arbeiten daran…
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